Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg

Entomologie

Insekt des Jahres



Schmetterling des Jahres 2021: Der Braune Bär

Der Braune Bär (Arctia caja) gehört zu den Bärenspinnern (Arctiinae), die eine Unterfamilie der Eulenfalterartigen darstellen und damit zu den „Nachtfaltern“ zählen. Weltweit gibt es etwa 11000 Arten Bärenspinner (Zum Vergleich: Die Anzahl der Tagfalter beträgt weltweit etwa 14500 Arten).

Die Tiere haben eine Spannweite von 45 bis 65 Millimetern und zählen damit zu den größeren Nachtschmetterlingen Deutschlands. Ihre Vorderflügel sind braun mit einem weißen, großmaschigen, netzähnlichen Muster und länglichen Flecken, die vom Vorderrand ausgehen. Das weiße Muster variiert stark. Es kann fehlen oder die Vorderflügel können auch fast völlig weiß sein. Die Hinterflügel sind leuchtend rot mit großen, schwarzen oder auch schwarz umrandeten, blauen Punkten.

Der Brauen Bär ist in den kühlen gemäßigten Zonen Europas von der Iberischen Halbinsel über West- und Mitteleuropa bis nach Ostasien, aber auch in Nordamerika verbreitet. Er bevorzugt strukturreiche, feuchte und kühle Habitate: z.B. im Wald etwa Schneisen, Säume, Lichtungen, Kahlschläge und feuchte Waldwiesen. Aber auch gebüschreiches Offenland wird bewohnt, wie Feuchtwiesen, Moore oder Magerrasen bis hin zu Dämmen, Ufern, Böschungen und sogar Kiesgruben und naturnahen Gärten.

Der Braune Bär bildet pro Jahr eine Generation, deren Falter von Juli bis September erscheinen. Sie nehmen keine Nahrung mehr auf und fliegen daher nur kurze Zeit. Aus diesem Grund und wegen seiner nächtlichen Lebensweise entdeckt man den Schmetterling nur selten. Die auffälligen Farbmuster seiner Hinterflügel sind in der Ruhestellung nicht zu sehen. Wenn er sich bedroht fühlt, zeigt er sie, um Fressfeinde vor seiner Giftigkeit zu warnen und sie zu irritieren.

Die Eiablage erfolgt in Form großer, bläulich weißer Gelege auf den Blattunterseiten der Wirtspflanzen. Im August schlüpfen dann die stark behaarten Raupen. Im Hinblick auf ihre Futterpflanzen sind sie nicht wählerisch. So befressen sie neben Kräutern, wie Sauerampfer und Brennnesseln, auch Brombeeren, Hartriegel, Eichen oder Weiden.

Dem Aussehen und der tapsigen Fortbewegungsweise ihrer Raupen verdanken die Falter auch den Gattungsnamen "Bären" (Arctia von Altgriechisch "arktos" = Bär). Die Überwinterung erfolgt im Raupenstadium an geschützten Stellen am Boden, wo auch im darauf folgenden Jahr von Juni bis Juli zwischen Stängeln in einem dichten, mit Haaren vermengten Gespinst die Verpuppung stattfindet.



Systematik:

Klasse:
Insekten (Insecta)
Ordnung:
Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie:
Erebidae
Gattung:
Arctia
Art:
Brauner Bär (Arctia caja)
Brauner Bär Oberseite

Brauner Bär Oberseite
Sammlung der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg

Brauner Bär  Unterseite

Brauner Bär Unterseite
Sammlung der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg



Insekt des Jahres 2021: Die Dänische Eintagsfliege

Die Große Eintagsfliege oder Dänische Eintagsfliege (Ephemera danica) ist eine Eintagsfliege aus der Familie der Ephemeridae. Sie ist eine der häufigsten Arten in Mitteleuropa.

Die Ordnung der Eintagsfliegen ist die ursprünglichste unter den Fluginsekten. Erdgeschichtlich reicht das Auftreten der Eintagsfliegen bzw. ihrer Vorfahren bis in das Unterkarbon (vor 333 bis 355 Millionen Jahren) zurück. Seit dem Jura nimmt der Anteil der Eintagsfliegen an der Gesamtzahl der bekannten Insektenarten stetig ab. Mit knapp über 3000 Arten in 42 Familien und mehr als 400 Gattungen gehört sie jetzt zu den artenärmeren Ordnungen. Von ihren Arten leben in Europa etwa 300, in Mitteleuropa mehr als 100.

Dänische Eintagsfliegen haben durchsichtige, leicht gefleckte Flügel und drei Schwanzfäden, die beim Männchen 35 bis 40 Millimeter und beim Weibchen 15 bis 25 Millimeter lang sind. Der Hinterleib ist gelblich und hat im Gegensatz zu der sehr ähnlichen Gemeinen Eintagsfliege (Ephemera vulgata) nur auf den hinteren Hinterleibssegmenten eine kräftige, braune Kommazeichnung, sonst ist sie nur schwach erkennbar. Die Körperlänge variiert von 15 bis 25 Millimetern.

Die gelblich-hellbraunen Larven haben einen schmalen und zylindrischen Körperbau. Sie werden etwa 30 Millimeter lang und besitzen ebenfalls drei Schwanzfäden, die etwa 10 Millimeter messen. Auf der Oberseite des Körpers kann man zwei-ästige, gefiederte Kiemen erkennen.

Die Tiere kommen in ganz Europa bis in eine Höhe von etwa 1.000 Metern vor. Sie leben in sauberen, ruhig fließenden Bächen und Flüssen oder stehenden Gewässern.

Auch wenn sie Eintagsfliegen heißen, fliegen sie doch zwei bis vier Tage von Mai bis September. Vor allem aber im Juni treten sie in größeren Mengen auf.

Die Männchen fliegen vor und während der Dämmerung in Schleifen paarungsbereit über und um Gewässer und halten Ausschau nach Weibchen. Nach der Paarung trennen sich die Tiere und das Weibchen legt seine Eier im Wasser ab. Dazu taucht es im Flug mehrmals mit dem Hinterleib ins Wasser ein. Die Eier sinken zu Boden, wobei sie durch Strömungen verdriftet und verteilt werden. Nach 10-20 Tagen schlüpfen die Larven. Sie leben am Gewässerboden in sandigen oder schlammigen Bereichen, graben sich durch das Substrat und filtern ihre Nahrung heraus. Mit zwei oder mehr Jahren sind sie ausgewachsen und verlassen das Wasser. Aus der Larvenhaut schlüpft zunächst die Subimago, welche im Unterschied zum adulten Tier noch getrübte Flügel aufweist. Sie fliegt in die Vegetation nahe dem Ufer und häutet sich nach ein bis zwei Tagen zum adulten Insekt.

Dänische Eintagsfliege

Dänische Eintagsfliege
Foto: Holger Gröschl (www.naturspektrum.de)



Systematik:

Klasse:
Insekten (Insecta)
Ordnung:
Eintagsfliegen (Ephemeroptera)
Familie:
Ephemeridae
Gattung:
Ephemera
Art:
Dänische Eintagsfliege
(Ephemera danica )


Libelle des Jahres 2021: Wanderlibelle

Die Wanderlibelle (Pantala flavescens) ist eine mittelgroße, gelblich bis goldfarben gefärbte Segellibelle, die leicht mit den bei uns vorkommenden Heidelibellen verwechselt werden kann. Im Vergleich zu den Heidelibellen ist sie etwas größer und kräftiger und besitzt eine auffälligere Körperzeichnung. Die Flügel sind im Verhältnis zum Körper sehr lang (erreichen Flügelspannweiten zwischen 7,2 cm und 8,4 cm) und ermöglichen es der Libelle mit ihren großen Tragflächen ausdauernd zu fliegen.

Die Wanderlibelle kommt in tropischen und subtropischen Regionen weltweit vor. Selbst einsame Inseln werden dank der ausgezeichneten Flugfähigkeit besiedelt. Mit Reisen über mehrere tausend Kilometer und Flügen in bis zu 5000 Metern Höhe ist die Wanderlibelle rekordverdächtig. Im Mittelmeeraum werden Wanderlibellen immer wieder einmal beobachtet, meist aber nur einzelne Tiere. Im Sommer 2020 hat sie erstmals auch in Deutschland für Nachwuchs gesorgt.

Um die Monsunregen zu nutzen und immer gerade dort anzukommen, wo die Wetterfronten die passenden Fortpflanzungsgewässer bereitet haben, wandern sie in Schwärmen zwischen Afrika und Asien hin und her.

Wie in der Familie der Segellibellen üblich, gibt es auch bei der Wanderlibelle keine ausgeprägten Balzrituale. Das Weibchen paart sich zwar viele Male, jedoch meist nur einmal am Tag. Nach der Paarung fliegen die Wanderlibellen im Tandem, wobei das Weibchen zur Eiablage an das Männchen angekoppelt bleibt. Ein Gelege besteht aus ungefähr 500 bis 2000 Eiern. Um sich auf jahreszeitlich verändernde Bedingungen flexibel anzupassen, entwickeln sich die Larven in nur 38 bis 65 Tagen, was der Wanderlibelle ermöglicht, sich auch in Swimmingpools zu vermehren. In einem Jahr entstehen so etwa drei bis vier Generationen. Das gleicht auch die fehlende Tarnung und die Temperaturempfindlichkeit aus.

Die Lebenserwartung der Libellen ist nicht bekannt, da eine Feststellung auf Grund der hohen Mobilität der Tiere schwierig ist.

Systematik:

Klasse:
Insekten (Insecta)
Ordnung:
Libellen (Odonata)
Familie:
Segellibellen (Libellulidae)
Gattung:
Pantala
Art:
Wanderlibelle (Pantala flavescens)
Wanderlibelle m

Wanderlibelle Männchen
Foto: Michael Post / GdO

Wanderlibelle w

Wanderlibelle Weibchen
Foto: Michael Post / GdO

Zum Insekt des Jahres: 2021, 2020, 2019,

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